Begrüßungsrituale
Im Beitrag über den Blickkontakt haben wir erfahren, dass es weltweite, kulturelle Unterschiede in der Art gibt, wie Menschen einander in die Augen schauen. Das gilt auch für die Begrüßung. Diese Unterschiede sind in der jeweiligen kulturellen und geschichtlichen Entwicklung der Begrüßungsrituale begründet. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Rituale, also angelernter Körpersprache, im Gegensatz zur angeborenen Körpersprache.
Entstehung
Der im europäischen und US-amerikanischen Raum übliche Handschlag zur Begrüßung entwickelte sich aus der Sitte heraus, sich gegenseitig die freien, unbewaffneten Hände zu zeigen, wenn sich vor langer, langer Zeit zwei Männer begegneten. Erst später, im 19. Jahrhundert, entwickelte sich daraus der Handschlag, so wie wir ihn heute kennen und verwenden. Der Handschlag zwischen Mann und Frau ist wurde erst im 20. Jahrhundert üblich. Im alten Rom umfassten Männer die Handgelenke des anderen, um so zu überprüfen, ob das Gegenüber nicht doch vielleicht einen Dolch im Ärmel versteckt hält.
Die Umarmung als Begrüßung entwickelte sich aus einer ganz ähnlichen Situation heraus. Sie entstand im Orient, wo man als Schutz gegen Wind und Wüstensand lange, wallende Gewänder trug. Unter diesen Gewändern war nicht zu erkennen, ob ein Mann bewaffnet war oder nicht. Um das festzustellen, umarmte man sich und konnte sich so gegenseitig abtasten.
In Asien gilt die tiefe Verbeugung bis heute als respektvolle Begrüßung, während sich in Indien das „Namaste“, also die mit ausgestreckten Fingern vor der Brust gefalteten Hände als Begrüßungsritual etabliert hat. Damit wird der Verzicht auf den Territorialkampf und Bescheidenheit signalisiert.
Auch heute noch entstehen weltweit neue Begrüßungsrituale, denken sie nur an die vielfältigen und teilweise recht komplizierten Gesten, mit denen sich beispielsweise junge Hip Hop Fans begrüßen. Damit wird einander nicht nur Respekt erwiesen, sondern auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Clique demonstriert.
„Komm, gib mir deine Hand…“
Der Handschlag ist ein Zeichen des Vertrauens und Willkommens. Jemanden gegen seinen Willen die Hand zu schütteln kann deshalb gegenteilige Wirkung haben und aufdringlich wirken. Wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie willkommen sind, dann warten sie besser ab, ob man ihnen die Hand zur Begrüßung reicht und begnügen sie sich in der Zwischenzeit mit einem Blickkontakt und einem freundlichen Kopfnicken.
Die Art und Weise, wie sich Menschen heute in unserem Kulturkreis per Handschlag begrüßen, lässt nicht nur Rückschlüsse auf die jeweilige Verfasstheit und Gemütslage zu, sondern auch auf die Beziehung zueinander.
In der römischen Zeit begrüßten sich zwei Bürger in einer Weise, die wir heute als moderne Version des Armdrückens im Stehen bezeichnen würden. Wenn der eine stärker war als der andere, blieb seine Hand über der des anderen, eine Position, die „Oberhand“ genannt wird (Allen & Barbara Pease, 2006). Bis heute wird bereits bei der Begrüßung nur durch den Handschlag signalisiert, wer in der Begegnung der sozial Höhergestellte oder Mächtigere ist.
Eine Untersuchung unter 350 erfolgreichen US-amerikanischen Managern ergab, dass fast alle von sich aus die Initiative zum Handschlag ergriffen. 88% der männlichen und 31% der weiblichen Manager verwendete dabei die dominante Variante des Handschlags, indem sie die Hand ihres Gegenübers nach unten drehten.
Der nach unten gedrehte Handrücken bei der Begrüßung signalisiert Nachgiebigkeit, er ist das Gegenteil der dominanten Variante. Damit überlässt man dem anderen die Oberhand. Wenn sie um die Bedeutung dieser Geste wissen, können sie sie auch bewusst einsetzen. Lassen sie beispielsweise einen Kunden bereits durch den Handschlag wissen, dass er alleine die Entscheidung zum Kauf trifft und sie ihn zu keiner Entscheidung drängen. Auch bei Verhandlungen kann es nützlich sein, diese Geste bewusst einzusetzen.
Die Symbolik der Dominanz beim Handschlag wurde mittlerweile auch von der Politik erkannt. Für Fotos positionieren sich Politiker/innen oft so, dass sie am Bild links zu sehen sind. Dadurch behalten sie automatisch die Oberhand, während die Person rechts die Hand leicht nach unten drehen und ihren ungeschützten Bauch- und Brustbereich zeigen muss.
Drehen, schütteln, ziehen, Abstand halten…
Stärke und Bewegungsablauf des Handschlags lassen uns ebenfalls Schlüsse auf unser Gegenüber und die Beziehung zueinander ziehen.
Wer fest, kurz und knapp die Hand gibt, signalisiert damit, dass er sich nicht lange mit vermeintlich unnötigen Details aufhalten will. Diese Person möchte zu einem Punkt kommen, eine Abmachung treffen und ist auch bereit, sich daran zu halten.
Ganz im Gegensatz zu „Viel-Schüttlern“, die die Hand des Gegenübers längere Zeit in verschiedene Richtungen bewegen. Sie signalisieren damit, sich noch nicht entschieden zu haben, oder mehrere Alternativen und Optionen in Erwägung zu ziehen. Vermeiden sie es nach Möglichkeit, in beruflichen Belangen, auf diese Art ihre Hand zu reichen und bedenken sie, dass es nicht alle Menschen mögen, lange berührt zu werden.
Manche Menschen versuchen bereits bei der Begrüßung, andere nah an sich heranzuziehen. Wenn Menschen einander gut kennen und mögen, wird dieses Verhalten kein großes Aufsehen verursachen. Sind sich zwei Menschen einander jedoch nicht so nahe oder gar unbekannt, wird diese Form der Begrüßung meistens als Eindringen in die Intimzone und somit unangenehm wahrgenommen.
Menschen, die emotionalen Abstand zueinander haben, zeigen das auch dadurch, dass sie beim Handschlag, sofern er sich nicht ohnehin vermeiden lässt, die Hände weit wegstrecken und so auch eine räumliche Distanz schaffen. Akzeptieren sie diesen Wunsch nach Distanz, und arbeiten sie an ihrer Beziehung, um einander sprichwörtlich näher zu kommen.
Mit einem beidhändigen Handschlag umschließt man die ganze Hand des Gegenübers. In Kombination mit direktem Blickkontakt, einem offenen Lächeln und netten Worten suggeriert man dadurch innige Verbundenheit, Vertrauen und Ehrlichkeit. Durch diese Geste verstärkt man den Körperkontakt und erlangt Kontrolle, weil man dadurch die Hand des anderen festhält und umklammert. Vermutlich benutzen Politiker/innen diese Geste deshalb besonders gerne, wenn Kameras in der Nähe sind.
Wird sie jedoch von Menschen eingesetzt, die man gerade erst kennengelernt hat, erreicht man damit das Gegenteil, nämlich Misstrauen.
Achten sie das nächste Mal darauf, wie ihnen die Hand gegeben wird! Sie werden dadurch einiges über ihr Gegenüber erfahren.
Was der Blickkontakt verrät…
Botschaften werden vom Auge weitergegeben, manchmal ganz ohne Worte.
Anaïs Nin
Kulturelle Unterschiede
Im Umgang mit anderen Menschen spielen die Augen eine große Rolle. Wenn sich zwei Menschen in die Augen schauen, bildet sich zwischen ihnen ein hoch emotionales Band. Der Blick wird dabei zur Kommunikationsbrücke. Dauer und Intensität des Blickkontakts variieren jedoch weltweit. Während es im europäischen und US-amerikanischen Raum nicht nur üblich, sonder auch erwünscht ist, sich bei der Begrüßung und während eines Gespräches in die Augen zu schauen, wird ein längerer Blickkontakt in China und Japan als Herausforderung und mangelnder Respekt empfunden. Nur wenn Menschen in China ärgerlich werden, neigen sie dazu, den Blickkontakt zu halten. Ansonsten schauen sie eher woanders hin oder erscheinen ungezwungen. Japanische Gesprächspartner schauen einander ebenfalls eher auf den Hals als ins Gesicht. Im Gegensatz dazu, wird in Italien, der Türkei und Ägypten der anhaltende Blickkontakt als Erweisung von Respekt betrachtet. In Ägypten allerdings nur zwischen Männern.
Blick ins Unterbewusste
Untersuchungen haben erwiesen, dass menschliche Säuglinge bereits ab der 2. Lebenswoche auf Augenkontakt reagieren. Sie zeigen starkes Interesse an runden Augenpunkten, die man paarweise, horizontal an eine Wand projiziert. Sind die Punkte vertikal angeordnet, verschwindet das Interesse plötzlich. (Givens, 2011)
Dieses Interesse am Augenkontakt begleitet uns unser ganzes Leben lang. Der Blick in die Augen unseres Gegenübers kann uns viele non-verbale Informationen liefern, die uns verbal vorenthalten bleiben. Nicht umsonst ist das Sprichwort „Die Augen sind der Spiegel der Seele“ so weit verbreitet. Denn die Bewegungen unserer Augen geschehen fast immer unbewusst. Wir haben darauf keinen Einfluss und nehmen sie auch nicht wahr. Unsere Pupillen weiten sich, wenn wir etwas Erfreuliches sehen oder erleben und verkleinern und verengen sie sich, wenn wir negative Emotionen empfinden. Diese Veränderung wird von unserem Gehirn gesteuert und lässt sich nicht unterdrücken.
In Gesprächen signalisieren uns Augen, ob unser Gegenüber mit der Aufmerksamkeit bei uns ist oder nicht. So sind beispielsweise seitliche Augenbewegungen bei gleichbleibender Kopfhaltung ein gutes Indiz dafür, dass eine Information, die wir gegeben haben, gerade weiterverarbeitet wird. Sie sind ein positives Signal dafür, dass eine Idee oder ein Vorschlag nicht auf taube Ohren gestoßen ist. Diese Bewegung signalisiert eine nonverbale Antwort, oft auf eine verbale Frage. Wird der Blick oder gar der ganze Kopf jedoch abgewandt, so macht das Zweifel oder Ablehnung deutlich.
Weit aufgerissene Augen findet man in Situationen intensiver Wut, Schock, Überraschung und Angst. Aufgerissene Augen werden aus dem Kampf-oder-Flucht Bereich unseres Nervensystems gesteuert. Intensive Emotionen wie Schrecken und Wut zeigen sich zuerst in den Augen, bevor der Körper sich mobilisiert, um zu flüchten oder loszuschlagen.
Wer mit den Händen die Augen bedeckt, verdeutlicht: „Mir gefällt nicht, was ich gerade gehört, gesehen, erlebt habe“.
Über Nähe und Distanz
Der österreichische Soziologe, Psychotherapeut, Philosoph und Autor Paul Watzlawick berichtete von der bemerkenswerten Begegnung eines englischen und eines brasilianischen Reitsportlers. Diese trafen sich auf der Terrasse eines Reitsportclubs. In dem Augenblick, in dem der englische Reiter soeben seinen Tee zu sich nahm, näherte sich ihm der brasilianische Gleichgesinnte, mit dem Wunsch sich angeregt zu unterhalten. Dazu machte er einen Schritt auf den Engländer zu. Dieser empfand das als eher unangenehm und wich seinerseits einen Schritt zurück. Der Brasilianer fühlte sich in seinem Bestreben nicht angenommen und machte einen weiteren Schritt auf den Engländer zu, der wiederum zurückwich. Das „Spiel“ setzte sich fort und die Begegnung endete schließlich damit, dass der englische Reiter nach wiederholtem Rückzug über das Terrassengeländer stürzte und sich das Genick brach.
Nonverbales Verhalten lässt sich nicht nur auf unsere evolutionäre Entwicklung zurückführen, sondern ist auch in einen sozialen und kulturellen Kontext eingebettet. Der Mensch, als soziales Wesen, verhält sich in der Regel mit den allgemeinen Regeln und Normen seiner kulturellen Gruppe konform. Dieses Verhalten wird von uns im Laufe unserer persönlichen Entwicklung und Sozialisation erlernt und sukzessive verinnerlicht. Unsere Körpersprache wird also nicht nur durch unsere Instinkte, sondern auch durch unsere Umgebung und Umweltbedingungen maßgeblich geprägt. Zu dieser erlernten Körpersprache zählen u.a. Rituale der Begrüßung, Formen des Blickkontaktes, die Bedeutung einzelner Gesten, sowie unser persönliches Territorialverhalten.
Die meisten Tiere haben ein bestimmtes Territorium, das sie als ihr eigenes betrachten. Die Größe dieses Territoriums hängt weitgehend davon ab, unter welchen Bedingungen dieses Tier aufgewachsen ist und lebt. Genauso wie Tiere hat auch der Mensch sein eigenes „Gebiet“, seinen persönlichen Raum. Dieser umgibt uns wie eine Luftblase und hängt unter anderem mit der Bevölkerungsdichte der Gegend zusammen, in der wir aufgewachsen sind. In dicht besiedelten Gebieten lässt sich eine geringere Zone, innerhalb derer wir anderen Menschen begegnen, feststellen, als in geringer besiedelten Gebieten. Diese kulturellen Unterschiede müssen wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns nun den menschlichen Distanzzonen widmen. Für den mitteleuropäischen Raum können wir folgende Distanzzonen voraussetzen:

Intime Distanzzone
Von allen Abstandszonen ist diese die weitaus wichtigste. Sie beträgt im mitteleuropäischen Raum ca. 15 – 50 cm und richtet sich ungefähr nach der Armlänge oder Reichweite des Gegenübers, der uns verletzen könnte. Dieser Bereich ist fast ausschließlich Familienangehörigen, Partner/innen und nahen Freund/innen vorbehalten. Einzige Ausnahme sind Berufsgruppen wie Ärzt/innen, Friseur/innen, Masseur/innen, etc.
Die Intimzone wird vom Menschen wie sein persönliches Eigentum verteidigt. Ein unerlaubtes Eindringen in diesen Bereich wird als massive Störung empfunden.
Persönliche Zone
Die persönliche Zone ist jener Abstand, der bei einem Gespräch oder einer interaktiven Begegnung mit anderen Menschen, die sich bereits kennen, gewöhnlich eingehalten wird. Der als angemessen empfundene Abstand beträgt hier zwischen 50 und 150 cm. Das ist jene Distanz, die wir bei privaten oder geschäftlichen Partys, bei gesellschaftlichen Anlässen oder freundschaftlichen Zusammenkünften wahren. Kommen zwei Menschen ins Gespräch, die bisher noch nie miteinander zu tun hatten, ist der Abstand in der Regel größer. Erst im Laufe des Kennenlernens gestatten wir einander, im wahrsten Sinne des Wortes, einander näherzukommen. Die Grenze zwischen persönlicher und intimer Distanz wird in unserer Kultur häufig verletzt und führt so zu Störungen. Grundsätzlich lässt sich festhalten: je näher wir einander kommen, umso behutsamer sollten wir miteinander umgehen.
Gesellschaftliche Zone
Als gesellschaftliche Zone (ca. 150 – 350 cm) wird jener Abstand zwischen Menschen bezeichnet, die zwar Augenkontakt haben, sich aber trotzdem nicht begegnen bzw. keinen persönlichen Bezug zueinander haben. Beispiele hierfür wären etwa die freigelassene erste Reihe in einem Seminar, oder der Abstand zu einem Installateur, der bei uns etwas repariert.
Dieser Abstand ergibt sich meist automatisch, wenn zwischen zwei Gesprächspartner/innen ein Tisch platziert ist. Auch geschäftliche Verhandlungen werden oft über diese Distanz geführt.
Öffentliche Zone
Die öffentliche Zone (ab 350 cm) zeigt sich beispielsweise bei Konzerten, oder wenn wir vor einer größeren Gruppe von Menschen sprechen. Dieser Abstand bietet uns einen gewissen Raum und Schutz. Hier findet meist kein interaktiver Austausch statt und es ist schwer, aus dieser Distanz direkten Kontakt zu einer Einzelperson herzustellen.
So setzen sie Moderationskarten richtig ein:
Moderationskarten helfen ihnen, ihre Präsentation zu strukturieren und geben ihnen auf der Bühne „halt“. Klammern sie sich jedoch nicht an ihnen fest, sondern halten sie die Karten locker in der Hand.
- Verwenden sie keine A4 oder A5 Blätter! Handelsübliche Moderationskarten haben eine Größe von ca. 205 mm x 95 mm und sollten mindestens eine Grammatur von 120 g haben! (Achtung: bei einem dünnen Blatt überträgt sich eventuelles Zittern der Hand auf das Papier!)
- Pastellfarbenes Papier fällt weniger auf. Kein strahlend weißes Papier!
- Große Schrift, große Zeichen! Tipp: dicken Filzstift benutzen! Achten sie auf einen hohen Farb-Kontrast von Stift und Kärtchen!
- Nummerieren sie ihre Karten durch! Nur einseitig beschriften!
- Vermeiden sie es, ganze Sätze zu schreiben, sondern verwenden sie besser aussagekräftige Stichworte! Ausnahme: Einleitungs- und Schlusssatz!
- Notieren sie sich auf jeden Fall Namen, Zahlen, Fremdwörter, wichtige Fakten etc.
- Worte und Zeichnungen selbst schreiben oder zeichnen.
- Tipp: höchstens 3 bis 4 Stichwörter pro Karte! Schreiben sie in Druckschrift!
- Kein auswendig lernen! Jede Formulierung ist eine “Erstgeburt” – Denken/Sprechen/Denken…
- Kein Ablesen, frei reden – üben, üben, üben
Über unsere Grundinstinkte und deren körpersprachlichen Ausdruck
In Anlehnung an den Pantomimen, Regisseur und Körpersprachetrainer Samy Molcho können wir vier Grundinstinkte unterscheiden: Schutz, Angriff, Flucht und Unterwerfung.
Der Schutzinstinkt:
In Situationen, in denen wir uns unbehaglich oder verletzbar fühlen, neigen wir dazu, bestimmte Körperregionen instinktiv mit Gesten zu schützen. Diese Körperbereiche erweisen sich deshalb als besonders schützenswert, weil sie den Bluttransport des Körpers gewährleisten.
Dazu gehört der Hals, und hier speziell die seitliche Halspartie entlang der Halsschlagader. Wenn wir uns schützen wollen, zeigt sich dieser Instinkt beispielsweise dadurch, dass wir eine Hand auf diesen Bereich legen. Der Kopf kann zur Seite kippen, oder die Schultern werden hochgezogen. Auch wenn Menschen beginnen, sich im Gesicht oder Hals zu kratzen oder an der Kleidung zu zupfen ist dies ein Kennzeichen für eine Schutzreaktion. Diese Gesten werden als „Putz- und Kratzgesten“ bezeichnet und sind häufig zu beobachten, wenn Menschen vor anderen Menschen sprechen müssen.
Die zweite Zone ist die des Brustkorbes, vermutlich weil sich hier die wichtigsten Organe befinden. Der Oberkörper kann durch einen oder beide Arme verschlossen werden, die Arme bilden dabei eine schützende Barriere. Häufig tritt diese Geste auch in Kombination mit Putz- und Kratzgesten auf.
Wird der entsprechende Reiz als sehr intensiv empfunden, kann sich auch der gesamte Oberkörper von der Reizquelle abwenden.
Sehr oft tritt der Schutzinstinkt auch im Bereich der inneren Unterarme auf. Hier verläuft eine wichtige Schlagader, die zB. dadurch geschützt werden kann, dass die Ärmel des Kleidungsstückes bis über die Handflächen gezogen werden. Auch wenn sich die Hände aufgrund eines Reizes hinter dem Körper positionieren oder in der Hosentasche versteckt werden, kann das ein Indiz für einen Schutzinstinkt sein.
Ein weiterer, schützenswerter Bereich ist jener der inneren Oberschenkel, wo wichtige Venen und Arterien verlaufen und sich auch der Genitalbereich befindet. Um diesen Bereich zu schützen, werden oftmals die Beine übereinander geschlagen, bzw. voreinander platziert. Häufig ist auch zu beobachten, dass die Fußspitzen nach innen gedreht werden, um so die Innenseite der Oberschenkel zu schützen.
Werden beide Hände vor dem Genitalbereich positioniert, ähnlich wie wir es aus dem Fußballspiel in der Mauer beim Freistoß kennen, wird dieses Verhalten ebenfalls dem Schutzinstinkt zugeordnet.
Auf diese Gesten angesprochen, argumentieren Menschen immer wieder damit, dass sie diese Arm und Bein-Positionen als angenehm empfinden, und sie deshalb einnehmen würden. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es in der zwischenmenschlichen Kommunikation sowohl auf die Seite des Senders als auch des Empfängers ankommt. Auch wenn der Sender diese Gesten angenehm oder bequem empfindet, so wecken sie beim Empfänger bewusst oder unterbewusst negative Assoziationen.
Der Angriffsinstinkt:

Beim Angriffsinstinkt lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede beobachten. Bei Männern drückt sich dieser Instinkt häufig durch das Ballen der Faust aus. Diese kann am Anfang noch verdeckt sein, etwa in der Hosentasche oder hinter verschränkten Armen. Nimmt der Grad der Aggression jedoch zu, wird sie auch offensichtlich positioniert.
Die gesamte Muskulatur des Körpers beginnt sich anzuspannen. Zähne werden aufeinander gepresst, die harte Stirn nach vorne geschoben, um so im Falle eines Kampfes den sensiblen Halsbereich zu schützen. Der Blick verengt sich und wird starr, er fokussiert den vermeintlichen Gegner. Oft wird dieses Verhalten mit Imponiergehabe kombiniert. Männer stehen dann besonders breitbeinig da, blasen den Brustkorb auf, oder verschränken die Hände vor dem Brustkorb, um den Bizeps größer erscheinen zu lassen.
Bei Frauen lassen sich zwar viele Parallelen beobachten, jedoch fällt das Imponiergehabe weitgehend weg. Auch hier wird die Muskulatur angespannt und der Kopf gesengt, um den stechenden Blick noch zu verstärken. Fußspitzen und Becken schieben sich nach vorne, und die gesamte Physiologie signalisiert die Bereitschaft zum Kampf. Durch das Abstützen der Hände in der Hüfte, wird der Oberkörper optisch verbreitert.
Ein weiterer Hinweis für Angriffsverhalten kann es sein, wenn die Ärmel der Kleidung nach oben geschoben werden, um die aktionsbereiten Oberarme zu entblößen und zu signalisieren: „Schau her, ich habe keine Angst vor dir!“
Der Fluchtinstinkt:
Der Fluchtinstinkt äußert sich hauptsächlich über zwei Hauptgesten: einerseits über die Blickrichtung, andererseits über die Stellung der Beine und Fußspitzen.
Wollen wir einem unangenehmen Reiz ausweichen, wenden wir den Blick oder sogar den ganzen Kopf ab. Der Blick kann dann zum Boden gehen, oder aber auch zur Decke hin ausweichen. Die Stellung der Fußspitzen signalisiert uns dann häufig die mögliche Fluchtrichtung. Bei Präsentationen oder Reden vor Gruppen weist die Fußspitze oft auf den eigenen Sitzplatz, bei stärkerem Reiz manchmal zur Tür und im Extremfall sogar Richtung Fenster. Als Zeichen für so einen Instinkt kann eine „verdrehte Körperhaltung“ gewertet werden, bei der Kopf, Oberkörper und Unterkörper in verschiedene Richtungen weisen.
In Gesprächen mit anderen Menschen können wir aufgrund dieser Körperhaltung erkennen, ob die Situation als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Ist uns der Kopf zugewandt, Oberkörper und/oder Unterkörper aber abgewandt, dann ist das ein deutliches Signal, dass wir unsere Interaktion entweder verbessern oder auf ein anderes Mal verschieben sollten.
Eine sehr interessante Variante eines Fluchtverhaltens wird uns durch eine zur Seite gekippte Fußsohle angezeigt. Diese Geste signalisiert uns eine blockierte Fluchthaltung, die meist dann entsteht, wenn gerade ein innerer Konflikt stattfindet: einerseits ist der Drang, das Geschehen zu verlassen, sehr groß, andererseits ist der Person bewusst, dass sie dort stehen bleiben sollte, wo sie sich gerade befindet.
Die Unterwerfung:
Im Unterschied zum Angriffsinstinkt geht das Unterwerfungsverhalten immer mit dem Verlust der Körperspannung einher. Alle Reaktionen, in denen der Körper quasi in sich zusammenfällt, werden dem Unterwerfungsinstinkt zugeordnet. Die Hände hängen seitlich schlaff am Körper herab, der Kopf fällt nach vorne und die Kniegelenke geben nach. Oft kann auch beobachtet werden, dass der Kopf nicht nach vorne, sondern kurz nach hinten kippt. Dabei wird die besonders empfindliche Halspartie ungeschützt freigelegt. Mit diesem Gestenkomplex wird dem Gegenüber symbolisch die Selbstaufgabe signalisiert und die „Macht“ über das eigene Überleben übertragen.
Frauen ergänzen diese Gesten oft auch mit Signalen, die beim Flirten eingesetzt werden. Dabei wird der Kopf zur Seite gelegt, um die empfindliche Halspartie offenzulegen, und ein schüchterner Blick von unten nach oben gerichtet. Bei jungen Mädchen kann man häufig zusätzlich eine Verkleinerung der eigenen Körpergröße beobachten, in dem das Gewicht auf ein Bein verlagert wird, und das Knie des anderen Beines nach innen kippt.
In der Interpretation von Körpersprache verstehen wir nonverbale Signale immer als Reaktion auf einen bestimmten Reiz. In Reaktion auf einen externen (z.B. die Frage eines/r Gesprächspartners/in) oder internen Reiz (z.B. innerer Dialog) reagiert der Mensch innerhalb von 3 Sekunden mit einer sichtbaren Veränderung. Diese „3-Sekunden Regel“ gestattet uns eine, auf Beobachtung und Analyse beruhende, Interpretation körpersprachlicher Signale. Damit unterscheiden wir diese Analyse deutlich von jeder trivialen, willkürlichen Körperspracheinterpretation. Nicht immer signalisieren uns beispielsweise verschränkte Arme Verschlossenheit. Eine mögliche Ursache könnte auch Kälte oder Bequemlichkeit sein.
Siehe dazu auch den Beitrag: Wie unser Reptiliengehirn unsere Instinktreaktionen beeinflusst…
Das Salz in der Suppe: Rhetorische Figuren
„Das Reden tut dem Menschen gut/ Wenn man es nämlich selber tut./ Von Angstprodukten abgesehn,/ Denn so etwas bekommt nicht schön./ Die Segelflotte der Gedanken,/ Wie fröhlich fährt sie durch die Schranken/ Der aufgesperrten Mundesschleuse/ Bei gutem Winde auf die Reise/ Und steuert auf des Schalles Wellen/ Nach den bekannten offnen Stellen/ Am Kopfe, in des Ohres Hafen/ Der Menschen, die mitunter schlafen.“ (Wilhelm Busch)
Um bei einer Rede die Wirkung auf die Zuhörer/innen zu steigern, empfiehlt sich der Einsatz rhetorischer Figuren. Dabei wird der übliche Satzbau und Sprachgebrauch verändert, indem Silben, Wörter, Satzteile oder ganze Sätze, Sinn und Bedeutung hinzugefügt, wiederholt, ausgelassen, umgestellt oder ersetzt werden.
Die folgende Auflistung versteht sich als kleine Unterstützung für die Konzeption einer Rede. Wichtig ist für sie dabei nicht, wie die jeweilige Rhetorikfigur heißt, sondern dass sie zur Person, zum Publikum und zur Situation passt.
| Bezeichnung | Beschreibung | Beispiel |
| Alliteration | Wiederholung des Anfangslautes zweier oder mehrerer Wörter. | Veni, vidi, vici. Mit Kind und Kegel. Mars macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel. Mit Schimpf und Schande. |
| Anapher | Wiederholung eines Wortes oder mehrerer Wörter zu Beginn eines Satzes, bzw in Absätzen. | Wir stehen für Transparenz! Wir stehen für Gerechtigkeit! Wir stehen für den sozialen Ausgleich! |
| Anadiplose | Wiederholungen mittendrin. | Wir standen vor großen Problemen, aber wir haben nicht aufgegeben. Wir stießen auf Widerstände, aber wir haben uns nicht aufhalten lassen. Wir wurden totgeschwiegen, aber wir haben trotzdem gewonnen! |
| Anspielung | Etwas (indirekt) andeuten, auf etwas anspielen, ohne es wirklich anzusprechen | Ich brauche ihnen nicht zu sagen, dass… Sie wissen, was ich meine. Ich würde niemals behaupten,… |
| Ellipse | Verkürzte Satzkonstruktion | Ohne Wenn und Aber! Ende gut, alles gut. Mir nichts, dir nichts. |
| Epipher | Wiederholungen am Ende | Die Idee war schwach. Die Planung war schwach. Die Ausführung war schwach. |
| Hyperbel | Bewusste Übertreibung, Überbetonung | Wir haben das schon 1000 Mal gehört. Todmüde. Schneckentempo. |
| Hypophora | Rhetorische Frage, die die/der Redner/in selbst beantwortet, um Aufmerksamkeit und Neugier zu erzeugen. | Was bedeutet das für uns Gewerkschafter/innen? Sind wir für die kommenden Auseinandersetzungen gerüstet? Selbstverständlich sind wir das, aber wir dürfen uns nicht darauf verlassen! |
| Klimax | Stufenweise Steigerung | Das sind 100 Euro im Monat, 1200 im Jahr, 6000 Euro in fünf Jahren!Zuerst den kleinen Finger, dann die ganze Hand! |
| Metapher | Übertragene Wort-Bedeutung | Die Sonne lacht. Am Fuß des Berges, |
| Parallelismus | Eine bestimmte Struktur wird in mehreren aufeinanderfolgenden Satzteilen bzw. Sätzen beibehalten. Die einheitliche Struktur schafft Klarheit. | Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. |
| Periphrase | Umschreibung eines Begriffs durch Einzelmerkmale | Die führende Supermacht. Der Vater des Wirtschaftswunders. Der Motor unserer Gesellschaft. |
| Vergleich | Verbindung zweier Begriffe | Wie ein Fels in der Brandung. Stark wie Löwe. Groß wie ein Elefant. Schön wie eine Blume. |
Das “Wie” ist wichtiger als das “Was”!
Francis Galton war Begründer der modernen Erblehre und Entdecker der Fingerabdrücke. Eines Tages machte er seinen berühmten “Gedanken-Versuch”, der ein Ergebnis nach sich zog, das allen psychologischen Lehrbüchern widersprach.
Galton stellte sich eines Tages vor, er sei der meist gehasste Mann Englands. Nach einer intensiven Vorstellung trat er – wie immer – seinen täglichen Spaziergang an. Schon bald riefen ihm einige Passanten während des Spaziergangs Schimpfwörter zu. Ein Arbeiter aus dem Hafen rempelte ihn im Vorbeigehen so mit dem Ellbogen an, dass der Gelehrte in den Dreck fiel. Sogar auf Tiere schien sich die Animosität gegen ihn übertragen zu haben, denn als er an einer Pferdekutsche vorbeiging, schlug das Pferd aus und trat Galton in die Hüfte, so dass dieser hinfiel und sich erhebliche Schmerzen zuzog. Es gab daraufhin einen Volksauflauf. Die Leute ergriffen jedoch keine Partei für ihn, sondern für das Pferd, worauf Galton das Weite suchte…
1967 erforschte der US-amerikanische Psychologe Prof. Albert Mehrabian die Bedeutung nonverbaler Elemente in der menschlichen Kommunikation. Dabei fand er heraus, dass nur ein geringer Anteil der Wirkung einer Präsentation vor einer Gruppe im inhaltlichen Bereich lag, nämlich magere 7%. Einen weitaus größeren Anteil an der Wirkung, 38%, hat die Stimmlage. Den größten Einfluss auf die Wirkung eines/r Redners/in übt die Körpersprache, also Körperhaltung, Gestik, Augenkontakt aus: satte 55%!
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Untersuchungen, die zwar zu verschiedenen Zahlen kommen, die extrahierte Gewichtung ist jedoch in allen Studien ganz klar dieselbe: der hauptsächliche Faktor unserer Wirkung auf andere ist und bleibt die nonverbale Kommunikation.
Auch wenn uns das selten bewusst ist, so kommunizieren wir immer auf mehreren Ebenen. Wenn unsere verbalen und nonverbalen Informationen übereinstimmen, so werden wir als authentisch, ehrlich, kongruent wahrgenommen. Stimmen diese Signale jedoch nicht überein, so vertrauen wir instinktiv den nonverbalen Signalen. Wenn beispielsweise eine Mutter ihrem Kind mit freundlicher Stimme verbal signalisiert „Komm zu Mama“ und dabei die Arme öffnet, so wird diese Information in den meisten Fällen richtig interpretiert und wahrgenommen. Sobald die Mutter jedoch ihre Stimme tiefer ansetzt und dieselben Worte mit verschlossenen Armen ausspricht, wird das Kind vermutlich eher den nonverbalen Signalen folgen und der Aufforderung nicht nachkommen.
Viele Menschen, die vor Publikum reden, achten hauptsächlich auf den Inhalt ihrer Rede, obwohl dieser den geringsten Anteil an der Wirkung hat. Generell lässt sich feststellen, je größer der Einfluss der einzelnen Faktoren auf unsere Wirkung ist, desto schwieriger ist es für uns, damit umzugehen. Unsere Worte können wir sorgfältig und bewusst planen. Beim Tonfall ist das nicht immer der Fall. Am geringsten wird unser – bewusster! – Einfluss bei der nonverbalen Kommunikation. Genau deshalb ist es so wichtig, sich mit diesem Aspekt menschlicher Kommunikation ausführlich auseinanderzusetzen.

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Tipps für den richtigen Umgang mit dem Flipchart:
Wenn sie vor Gruppen bis zu ca. 20 Personen präsentieren, ist das Flipchart ein geeignetes Medium für sie! In Echtzeit entwickelte Flipcharts wirken persönlich und lebendig, und lassen ihr Publikum den Entstehungsprozess ihrer Visualisierung mit verfolgen. Richtig eingesetzt, steigern sie damit die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer/innen, unterstützen das Gesagte und steigern den Behalte-Effekt!
- Schreiben sie groß, klar und deutlich! Am besten in Druckbuchstaben!
- Überladen sie ihr Flipchart nicht unnötig! Lassen sie oben, unten, links und rechts einen Rand frei! Sechs bis 7 Zeilen pro Flipchart genügen! Schreiben sie nur kurze, verständlich Sätze bzw. Satzfragmente und Stichworte! Lange Sätze kosten sie Zeit und die Aufmerksamkeit der Zuhörer/innen
- Verwenden sie unterschiedliche Farbstifte, jedoch nicht mehr als drei! Blaue und schwarze Schrift kann am besten gelesen werden! Vermeiden sie orange oder rosa!
- Geben sie jeder beschrifteten Seite eine Überschrift!
- Ein Flipchart – ein Thema! Wenn sie das Thema wechseln, verwenden sie ein neues Flipchart, auch wenn am bisherigen noch Platz dafür wäre!
- Tipp: mit einem harten Bleistift können sie sich im Vorhinein am Rand des Flipcharts kleine Notizen, Anmerkungen und Schlüsselbegriffe hinschreiben, ohne dass sie vom Publikum gesehen werden können!
- „Touch – turn – talk“: Wenn sie sprechen, wenden sie sich ganz dem Publikum zu und stellen sie Blickkontakt her! Beim Schreiben auf Flipchart schweigen sie – die Aufmerksamkeit des Publikums wird dann zur Gänze auf Flipchart gelenkt!
- Platzierung beachten: Flipcharts, auf denen sie neue Inhalte vermitteln, platzieren sie am besten rechts vorne im Raum. Flipcharts, auf denen sich bereits bekannte Inhalte befinden, werden links platziert.
- Peppen sie ihre Grafiken mit einfachen Zeichnungen und Bildern auf! Sie müssen kein Mal-Genie sein, auf die Wirkung kommt es an! Auch mit einfachen Elementen, wie Wolken, Pfeilen, Strichmännchen, etc. steigern sie die Wirkung ihres Flipcharts!
Vier Seiten einer Nachricht
nach Friedemann Schulz von Thun
Der deutsche Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun analysierte in den 1980er Jahren, dass menschliche Kommunikation, über das Sender-Empfänger Prinzip hinaus, vier wesentliche Aspekte enthält. Diese sind:

Über den Sachinhalt vermitteln wir die reine Information. Zusätzlich zur Sachinformation geben wir immer auch mit einer Botschaft etwas über uns selbst preis. Von Thun nennt diesen Aspekt die Selbstoffenbarung. Das kann eine gewollte Selbstdarstellung ebenso wie eine unfreiwillige Selbstenthüllung sein.
Auf der Beziehungsebene kommunizieren wir – bewusst oder unbewusst – was wir voneinander halten, bzw. wie Sender und Empfänger zueinander stehen. Häufig senden wir diese Signale in Form der gewählten Formulierungen, mit dem Tonfall oder in nonverbalen (körpersprachlichen) Begleitsignalen.
Fast alle Nachrichten, die wir senden, haben auch die Funktion, auf den Empfänger Einfluss zu nehmen, ihn zu veranlassen, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen, zu denken oder zu fühlen. Schulz von Thun nennt diesen Aspekt den Appell.
Alle vier Aspekte einer Nachricht spielen sowohl auf der Seite des Senders, als auch des Empfängers eine wesentliche Rolle für das Gelingen oder Misslingen der Kommunikation:
Sach-Inhalt:
S: Worüber informiere ich?
E: Worüber wurde ich informiert?
Selbst-Offenbarung:
S: Was gebe ich von mir selbst preis?
E: Wie empfinde ich, was du von dir gesagt hast?
Beziehungs-Ebene:
S: Wie stehen wir zueinander?
E: Wie stehen wir zueinander, was hält er von mir?
Appell:
S: Wozu möchte ich dich veranlassen?
E: Welche Aufforderung höre ich heraus?
Daraus ergeben sich in unserer alltäglichen Kommunikation eine Vielzahl von Kommunikationsstörungen. Denn selbst scheinbar einfache Botschaft können gründlich missverstanden werden.
